Der nächste BOYS' DAY findet am 12. November 2020 statt.
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Interviews

Der Entwickler des BOYS' DAY

Welche Überlegungen haben zur Entwicklung des BOYS' DAY geführt und welche Visionen wurden verfolgt?

Interview mit Josef Christian Aigner im Gespräch mit der Männerpolitischen Grundsatzabteilung des Sozialministeriums. Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Josef Christian Aigner, geboren 1953 in... [weiterlesen]

Interview mit Josef Christian Aigner im Gespräch mit der Männerpolitischen Grundsatzabteilung des Sozialministeriums.

Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Josef Christian Aigner, geboren 1953 in Grieskirchen/OÖ, Studium der Psychologie und Pädagogik in Salzburg, Ausbildung zum Psychoanalytiker und Psychotherapeuten (Schwerpunkt Sexualtherapie). 2005 bis 2017 Universitätsprofessor für Psychoanalytische Pädagogik und Psychosoziale Arbeit an der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte zuletzt im Bereich der Vaterforschung, der Entwicklung von Buben und Männern sowie Männer in erzieherischen und sozialen Berufen.

Sie waren in der Arbeitsgruppe zur Entwicklung des BOYS’ DAY Konzepts prominent vertreten. Was war damals – der BOYS’ DAY besteht schon seit 2008 – Ihre Intention bei der Entwicklung des Konzepts?

Die Intention war in erster Linie, Burschen auf die Geschlechterklischees der Berufswahl hinzuweisen und dadurch für mehr oder weniger ausgeschlossene und angeblich nur mädchentypische oder –geeignete Berufsfelder zu interessieren. Damit verbunden natürlich auch die Propagierung eines anderen, neuen Männerbilds, das die Verantwortung für Kinder, sozial randständige oder schwache Menschen verstärkt mit einschließt.

Die zwei Berufsfelder, die beim österreichischen BOYS’ DAY im Zentrum stehen, sind Pflege und Erziehung. Dabei geht es insbesondere auch um die Kleinkindpädagogik.

Sie haben für die Männerabteilung des Sozialministeriums eine Studie mit dem Titel „Zur Wirkung männlicher Kindergartenpädagogen auf Kinder im elementarpädagogischen Alltag“ verfasst. Über männliche Kindergartenpädagogen zu forschen, ist nicht alltäglich. Wie kamen Sie auf dieses Forschungsgebiet?

Das hängt erstens mit der realen Situation zusammen, die mir im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit Elementarpädagogik und der Förderung einer Professur dazu in Innsbruck bekannt wurde; und zweitens mit der aus meiner lange betriebenen Vaterforschung resultierenden Männer- und Bubenforschung. An einer bildungswissenschaftlichen Fakultät, wo angesichts einer starken feministischen Gruppe andauernd über Mädchen und deren Zugang zu den sogenannten MINTFächern und -Berufen geredet wurde, kam mir dann das Pendant auf Bubenseite als großes Defizit vor, ebenso wie das eklatante und progrediente Fehlen männlicher Mitarbeiter in Kindergarten und Volksschule.

Welche Erkenntnisse Ihrer Studien erachten Sie als die wichtigsten?

Dass Männer ganz wichtige Kontaktpersonen für Buben von klein auf sind und deren Entwicklung nachhaltig nachweisbar beeinflussen können; dass Buben beim Vorhandensein von männlichen Fachkräften aktiver am Geschehen in Kindergärten beteiligt sind und insbesondere auch auf ein anderes Männerbild zusteuern, das ihnen ja durch männliche pädagogische Fachkräfte vorgelebt wird, nämlich für Kindheit und Kinder verantwortlich zu sein. Und wichtig: dass auch weibliche Fachkräfte und Mädchen von dieser Gegenwart profitieren und ihr Verhaltensspektrum über traditionelle Rollen hinaus erweitern können. Das heißt, Männer sind nicht schlechter oder besser als Kindergärtner, sondern bringen wichtige eigene Eigenschaften mit? Männer bringen einen anderen Teil der Wirklichkeit ein, sozusagen die andere Hälfte der Gesellschaft. Dieser Teil ist auch mit anderen Eigenschaften assoziiert, die in unserer Kultur (niemand redet von „angeboren“ oder so was) eher von Männern vertreten und gelebt werden. Der Großteil der heutigen Kindergärten ist – das ist schade, aber es ist so – nach unseren österreichweiten Forschungen noch recht traditionellen Geschlechts- rollenbildern verhaftet; gendersensibel ausgebildeteMänner (auf die Gendersensibilität von Frauen, die genausonotwendig ist, wird gern vergessen) können hiereine Öffnung und Durchmischung von Rollenbildern bewirken.

Profitieren die Mädchen auch davon?

Aus dem eben Gesagten ergibt sich schon, dass auch Mädchen davon profitieren und durchaus auf den Geschmack kommen, diese oder jene Verhaltens- oder Spielweise, die traditionell Buben zugeschrieben wird, anzunehmen und zu erlernen.

Was muss sich denn ändern, damit sich mehr junge Männer für diesen Beruf entscheiden?

Als wichtigste Änderung ergibt sich aus unseren Studien das Image des Berufs: nicht so sehr die niedrigen Einstiegsgehälter (Männer nehmen auch andere schlecht bezahlte Berufe an) sind das Haupthindernis, diesen Beruf zu ergreifen, sondern das Image der Tätigkeit als „Frauenberuf“, für den es vermeintlich wenig Professionalität braucht. In Wirklichkeit ist die Früherziehung die anspruchsvollste Pädagogik überhaupt. Damit in Zusammenhang bedarf es dringend einer Reform der Ausbildung (der BAfEP), also des Einstiegsalters von 14 oder 15 Jahren in eine quasi berufsbildende Oberstufenform, wo die Mädchen und Buben selbst noch pubertär sind. Insbesondere für pubertäre oder spätpubertäre Burschen stellt das eine schwierige Situation dar (in eine „Mädchenschule“ zu gehen). Diese frühe Entscheidung bewirkt aber auch, dass viele Mädchen (60 Prozent) und ein noch größerer Anteil der wenigen Burschen (80 Prozent) nach der Matura gar nicht in den Beruf gehen, weil sie es sich mittlerweile anders überlegt haben und ja alles weiterstudieren können. Abgesehen von der Wertigkeit des Berufs etwa als FH-Studium (wo doch auch sonst alles akademisiert wird), ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der sich mit 18 oder 19 Jahren bewusst für ein solches Studium entscheidet, auch in den Beruf geht, ungleich höher.

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Hier reden Männer...

Und zwar Männer, die in Schulen arbeiten oder in Krankenhäusern, in Altenheimen, Gesundheitseinrichtungen oder Kindergärten.
Oder solche, die gerade eine Ausbildung für so einen Beruf machen. Spannend, was die so zu sagen haben!

Helfen und mit Menschen reden „Ich habe gleich nach Abschluss der Unterstufe begonnen mich für meine weiteren Ausbildungsmöglichkeiten zu interessieren. Zunächst wollte ich Kinderpädagoge werden,... [weiterlesen]

Helfen und mit Menschen reden

„Ich habe gleich nach Abschluss der Unterstufe begonnen mich für meine weiteren Ausbildungsmöglichkeiten zu interessieren. Zunächst wollte ich Kinderpädagoge werden, scheiterte jedoch bei der Aufnahmeprüfung im Jahre 2002/03 an dem Fach Musik und beendete daher die Schule mit der AHS Matura im Juni 2007.

Tendenziell wollte ich immer im sozialen Umfeld tätig sein. Ich besuchte nach der Unterstufe eine Übergangsklasse, die zwischen Unter- und Oberstufe lag, in der ich ein dreitägiges Praktikum in einem Kindergarten machen konnte. Das hat mir sehr gut gefallen und mich in meiner Grundidee, im sozialen Bereich zu arbeiten, bestärkt. Da ich ja leider in der Kinderpädagogik-Schule nicht aufgenommen wurde, überlegte ich weiter und bin dann zur Krankenpflege gekommen und besuche nun seit September 2007 die Krankenpflegeschule im Wilhelminenspital.

Mein Interesse an diesem Beruf wurde durch meine Cousine geweckt. Sie arbeitet als Physiotherapeutin und berichtete mir im Laufe der Zeit einiges über ihre Tätigkeit. Dadurch erfuhr ich auch viel über den medizinischen Bereich. Diese Informationen bestärkten mich in meiner Weiterbildung im Pflegebereich. Ich habe mich dazu berufen gefühlt und wollte das unbedingt machen. Auch habe ich absolut positive Rückmeldungen aus meinem privaten Umfeld erfahren, denn keiner sagte je so etwas wie „Weiberberuf" oder ähnlich Abwertendes zu mir.

In diesem Beruf gibt es auch viele Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. So kann ich mich nach dem allgemeinen Diplom beispielsweise auf die psychiatrische Krankenpflege spezialisieren, auf die Kinderpflege oder eine Intensivausbildung machen, was auch mein Ziel wäre.

Die wertschätzende Rückmeldung der Menschen, das Lob („Sie werden einmal ein sehr guter Pfleger sein!") und wenn man erlebt, wie man Menschen helfen kann und wie dankbar diese dafür sind, das gibt mir sehr viel und bestätigt mich, die richtige Berufswahl getroffen zu haben."

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Mit Jugendlichen reden „Nach der Matura und abgebrochenem Studium fürs Lehramt in den Fächern Mathematik und Philosophie arbeitete ich die letzten acht Jahre als Jugendbetreuer. Der Pädagogikteil... [weiterlesen]

Mit Jugendlichen reden

„Nach der Matura und abgebrochenem Studium fürs Lehramt in den Fächern Mathematik und Philosophie arbeitete ich die letzten acht Jahre als Jugendbetreuer. Der Pädagogikteil meines Studiums wurde mir als Qualifikation angerechnet, sodass ich gleich in die Jugendbetreuung einsteigen konnte. Im Moment bin ich bildungskarenziert für meine Ausbildung als Sozialarbeiter. Dieser Schritt hat sich durch meine Arbeit in den Jugendzentren ergeben. Ich will mein praktisches Wissen damit theoretisch vertiefen, da mir dieser Beruf unglaublich viel Freude macht. Die Jugendlichen kommen auf mich zu, wollen meine Meinung zu einem Problem hören und sie wollen auch meine Unterstützung. Es ist diese starke direkte Konfrontation, wenn Menschen spontan auf einen zugehen und etwas wollen; das ist eine unglaubliche Herausforderung, die ich so spannend finde. Man muss sich in diesem Prozess dann auch immer wieder neu positionieren, auch um mit Jugendlichen immer wieder weiter arbeiten zu können. In meinem privaten Umfeld sind viele mit Begeisterung in diesem sozialen Umfeld tätig."

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Kinder brauchen Unterstützung „Ich habe schon sehr früh in verschiedenen Berufsfeldern (z.B. Gastronomie, Theater) gearbeitet. Die erste wirkliche Begegnung mit behinderten Menschen im Zuge meiner... [weiterlesen]

Kinder brauchen Unterstützung

„Ich habe schon sehr früh in verschiedenen Berufsfeldern (z.B. Gastronomie, Theater) gearbeitet. Die erste wirkliche Begegnung mit behinderten Menschen im Zuge meiner Zivildienstzeit bei einer Tageswerkstatt der Lebenshilfe hat mein Blickfeld wesentlich erweitert. In weiterer Folge stellte sich für mich die Frage, wie man Menschen mit Beeinträchtigungen begleiten kann, um ihnen eine Integration in ihre behindernde Umwelt zu ermöglichen. Ich absolvierte das Lehramt für Sonderschule und bekam sofort einen Job in einer demokratischen Alternativschule. Das Besondere an dieser Schule ist, dass Kinder das Recht haben, wirklich mitzubestimmen. Ich bin ein Verfechter der Integration und habe mich auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen spezialisiert. Diese Kinder möchte ich mit den Eltern und dem Schul-Team begleiten, so dass sie dann den Weg möglichst selbstständig weiter gehen können. Nach acht Jahren Alternativschule und einem Jahr Vaterkarenz wechselte ich in eine öffentliche Volksschule.

Als Lehrer erlebe ich viele Gefühle und sehe es als hohe Qualität an, mit Kindern arbeiten zu können. Man kann mit ihnen gemeinsam neue Räume betreten und Dinge sehen, die in der Erwachsenenwelt nicht mehr so erfasst werden. Ich liebe meinen durchaus anspruchsvollen Beruf und erfahre Wertschätzung aus meinem privaten Umfeld. Der Lehrerberuf ist außerdem familienfreundlich."

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